Aus dem Buch:

Viel „Wind“ um NICHTS

Etwas DDR-typisches: Das Schönreden…

Besonders beliebt und gepflegt bei Vorgesetzten unseres Betriebes.

Auszug aus meinem Buch:

Damals kamen unsere Vorgesetzten vom Rekostab mit ein paar anderen Bereichsleitern und Ingenieuren zur Wochenbesprechung in die neue Halle. Im Pulk standen sie da und klopften sich, mündlich, gegenseitig auf die Schulter, wie schwer sie doch gearbeitet und wieviel sie doch geschafft hätten.

Dieses sich gegenseitig in die Tasche lügen, nannten wir „Viel Wind um nichts“. Denn die konnten, wie wir, auch so gut wie nichts machen. Es war ja nichts fertig geworden und nichts da.

Dieses dumme Gequatsche ging uns allen auf den Sack. Plötzlich stand Herbert auf und ging hin zur Schwafelrunde. Was hatte er vor? Er stellte sich auf die rechte Seite und schaute interessiert auf die Pläne, die gerade fachlich besprochen wurden.  So breit waren die Arme nicht um diese Pläne zu halten…

Nach kurzer Zeit wechselte Herbert schnell  die Seite. Was war los?

Plötzlich schwieg der ganze Runde. Einer der Delegation schob nervös seine Brille zweimal hoch. Die Blicke waren Ausdruck des Entsetzens oder Panik.

Alle gingen sie ein paar Schritte auseinander und rümpften unauffällig die Nase.

Herbert rief in die Runde: „Ich denke ihr seid feine Leute? Und dann so ein Ding los lassen. Und auch noch in Gesellschaft. Pfui.

Welches Ferkel war das?“ Alle sahen zu denen aus deren Richtung der Gestank gekommen war. Aber keiner sagte etwas.

Damit war die Besprechung beendet.

Herbert kam grinsend zu uns zurück. Heinz fragte: „Hast du mitgekriegt,
wer da gefurzt hat?“ Herbert antwortete: „Na ich. Ich konnte das dumme Gequatsche nicht mehr hören. Da hab ich einen schleichen lassen. Ich hab noch gewartet, bis er aus der Hose raus war und dann bin ich schnell auf die andere Seite. Wie es anfing zu stinken, habe ich gleich angefangen zu meckern. Was meinst du, wie die sich gegenseitig angeguckt haben. Die rätseln bestimmt jetzt noch, wer das war.“

Jetzt mußten wir so sehr lachen, dass „wir“ uns fast in die Hose machten.

Im wahrsten Sinne des Wortes…Viel „Wind“ um nichts.
1984 wurde damit angefangen zwei neue Werkhallen zu bauen und einzurichten. Die Prunkstücke dieser Hallen waren eine Rohrvereinzelungsanlage und eine Stahlkiesstrahlanlage.

Die funktionierten bis zu ihrer Demontage Anfang der 90-er Jahre immer noch nicht richtig. Ausrede der Hersteller war: das sind Pilotanlagen. Da kann es schon mal zu Funktionsstörungen kommen.

Naja, da hatten ein paar Ingenieure ein paar Jahre eine Aufgabe und eine Daseinsberechtigung. Die alten Maschinen aus den 60-er und 70-er Jahren funktioniereten bestens.

 

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