Andys Buch mit mehr Erinnerungen und Geschichten. Vielleicht ein tolles Weihnachtsgeschenk für Liebhaber der Ostalgie. „So schön war meine DDR“

Da oftmals die Gelder für Maschinen fehlten, wurde in der DDR in der Landwirtschaft viel auf Handarbeit gesetzt. Frauen und Männer arbeiteten täglich auf den Feldern, um die spätere Ernte zu sichern. Das ging oft sehr auf die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter.
Auf dem Foto ist meine Mutter (ganz links) mit ihrer Brigade zu sehen – bei der Feldarbeit unter hochsommerlicher Hitze.

30 Kilometer am Tag: Rüben hacken und Getreideernte
Die Feldarbeit war extrem anstrengend: Mehrmals im Jahr mussten die Rübenfelder gehackt werden. Das bedeutete, den ganzen Tag den Acker hoch und runter zu laufen, die Rüben auf Abstand zu hacken und Unkraut zu jäten.
Hierfür gab es Leistungsvorgaben. Geschätzt wird, dass jede Frau am Tag um die 30 Kilometer gelaufen ist – jeden Tag, 8 bis 10 Stunden lang.
Auch zur Getreideernte wartete harte Arbeit: Strohballen in stickigen Scheunen stapeln oder im Freien auf Diemen aufsetzen. Einige Frauen fuhren Mähdrescher, oft mit offenem Führerstand, dem ganzen Tag der Hitze und dem Staub ausgesetzt. Sie trugen Motorradbrillen und Kopftücher vor Mund und Nase.
Essigwasser und Bonbons gegen den Durst
Für diese schwere Arbeit gab es wenigstens Lohnzuschläge. Aber meine Mutter erzählt immer wieder: Manche Frauen hatten oftmals nichts zu trinken. Sie lutschten dann ein Bonbon, um Speichel zu produzieren. Oder sie tranken Essigwasser – man kann sich vorstellen, wie der Körper gestresst wurde.
Das Essen brachten sie selber mit oder bekamen aus der LPG-Kantine in Essensbehältern das Mittag aufs Feld gebracht. Im Frühjahr mussten zudem Steine abgesammelt, Radieschen und Lauchzwiebeln per Hand geerntet werden.
Kohlernte und Zwiebeln sortieren für den Westen
Im Herbst ging es zur Kohlernte, die ebenfalls per Hand geschnitten wurde (mein Vater baute meiner Mutter eine Art Machete, damit es leichter ging).
Im Spätherbst, Winter und zeitigen Frühjahr sortierten die Frauen in einer nicht beheizten Halle Zwiebeln und verpackten diese. Die besten Zwiebeln wurden einzeln in saubere Kisten gepackt. Diese Ladungen gingen in den Westen…
Für uns Kinder war die Halle mit dem Förderband ein toller Spielplatz. Wir ließen uns vom Transportband fahren oder fielen in die großen Haufen von Zwiebelschalen. Der Geruch unserer Kleidung verriet zu Hause sofort, wo wir gespielt hatten.