
Viel „Wind“ um NICHTS
Etwas DDR-typisches: Das Schönreden… Besonders beliebt und gepflegt bei den Vorgesetzten unseres Betriebes.
Auszug aus meinem Buch:
Damals kamen unsere Vorgesetzten vom Rekostab mit anderen Bereichsleitern und Ingenieuren zur Wochenbesprechung in die neue Halle.
Sie klopften sich, mündlich, gegenseitig auf die Schulter, wie schwer sie doch gearbeitet und wieviel sie geschafft hätten. Dieses sich gegenseitig in die Tasche lügen, nannten wir „Viel Wind um nichts“.
Denn in der Realität konnten sie, wie wir, auch so gut wie nichts machen. Es war ja nichts fertig geworden und nichts da.
Andys Buch mit mehr Erinnerungen und Geschichten. Vielleicht ein tolles Weihnachtsgeschenk für Liebhaber der Ostalgie. „So schön war meine DDR“

Die legendäre Betriebsbesprechung und ein Streich
Dieses dumme Gequatsche ging uns allen auf den Sack. Plötzlich stand unser Kollege Herbert auf und ging hin zur Schwafelrunde. Er stellte sich interessiert neben die Delegation und schaute auf die Pläne, die gerade „fachlich“ besprochen wurden. Nach kurzer Zeit wechselte Herbert schnell die Seite.
Plötzlich schwieg die ganze Runde. Einer der Delegation schob nervös seine Brille hoch. Die Blicke zeugten von Entsetzen und Panik. Alle gingen sie ein paar Schritte auseinander und rümpften unauffällig die Nase.
Herbert rief in die Runde: „Ich denke ihr seid feine Leute? Und dann so ein Ding los lassen. Welches Ferkel war das?“ Alle sahen zu denen, aus deren Richtung der Gestank kam, aber keiner sagte etwas. Damit war die Besprechung beendet.
Herbert kam grinsend zurück. Auf Heinz‘ Frage antwortete er: „Na ich. Ich konnte das dumme Gequatsche nicht mehr hören. Da hab ich einen schleichen lassen… Ich hab noch gewartet, bis er aus der Hose raus war und dann bin ich schnell auf die andere Seite. Was meinst du, wie die sich gegenseitig angeguckt haben. Die rätseln bestimmt jetzt noch, wer das war.“
Im wahrsten Sinne des Wortes… Viel „Wind“ um nichts.
Pilotanlagen und die Mängel im DDR-Betriebsalltag
Auch außerhalb der Besprechungen gab es viel Schönreden. 1984 wurde damit angefangen, zwei neue Werkhallen zu bauen und einzurichten. Die Prunkstücke dieser Hallen waren eine Rohrvereinzelungsanlage und eine Stahlkiesstrahlanlage.
Diese funktionierten bis zu ihrer Demontage Anfang der 90er-Jahre immer noch nicht richtig. Die Ausrede der Hersteller war: „Das sind Pilotanlagen. Da kann es schon mal zu Funktionsstörungen kommen.“
Naja, da hatten ein paar Ingenieure wenigstens für ein paar Jahre eine Aufgabe und eine Daseinsberechtigung. Die alten Maschinen aus den 60er- und 70er-Jahren hingegen funktionierten bestens.
