Zugfahrt in der DDR: Brand im D-Zug ohne Mitropa – 1987

Eine Zugfahrt von Neustrelitz nach Hause.

Mitte Mai 1987 mussten wir nach getaner Arbeit in Neu Canow wieder nach Hause. Da der Betriebs-Wartburg abgefahren war, standen wir vor dem Problem:

Wie bekommen wir sechs kräftige Personen mit Gepäck und Werkzeug zurück nach Hohenthurm? Maurermeister Kurt, Werner der Maler und ich beschlossen die Zugfahrt zu wagen.

Onkel Hans fuhr uns früh nach Neustrelitz zum Bahnhof. Wir kauften Fahrkarten mit D-Zug Zuschlag und hatten nur 10 Minuten Umsteigezeit in Berlin – das wurde noch spannend!

Andys Buch mit mehr Erinnerungen und Geschichten. Vielleicht ein tolles Weihnachtsgeschenk für Liebhaber der Ostalgie. „So schön war meine DDR“

titelbild-andy-fb

Mitropa-Hoffnung und die Versorgungsfalle am Bahnhof

Zum Glück hatte unser Zug in Neustrelitz noch eine Stunde Aufenthalt, in der eine E-Lok angehängt wurde (dort endete das elektrische Netz der Deutschen Reichsbahn). „Zum Glück ist ne Mitropa dran“, freute sich Kurt.

Wir gingen erst noch in die Mitropa im Bahnhof. Es roch nach Schmiere, Öl, Zigarettenrauch und Bockwurstwasser. Unseren Bierdurst hoben wir uns für die Fahrt im Zug auf. Doch kaum waren wir losgefahren, war die Mitropa weg! Beim Umkoppeln der Lok wurde auch der Mitropawagen abgehängt – wir hatten es beim Bockwurstessen nicht bemerkt. Der Durst entwickelte sich zu einem richtigen Brand.

Chaos in Berlin und der süße Aperitif-Schock

Das Schicksal nahm seinen Lauf: Der Zug hatte Verspätung. In Berlin blieben uns nur eine Minute zum Umsteigen. Ich rannte zum Kiosk. „Bier!“, rief ich. „Ham wa nich“, kreischte es zurück. Auch Brause war nicht da. In meiner Not kaufte ich zwei Flaschen Aperitif.

Der Zug fuhr ab, kaum dass ich die Tür zugeworfen hatte. Im Abteil rümpften Kurt und Werner die Nase: Aperitif! „In der Not frißt der Teufel Fliegen“, sagte ich, aber das Zeug war so süß, dass unser Durst nur noch schlimmer wurde. Werner drohte damit, das Wasser aus dem Zug-Wasserhahn zu trinken – aber Kurt warnte: „Wer weiß, wo die Plörre her ist…“

Endlich in Halle: Brause und der Eulenspiegel

Nach drei Stunden, mit zugeklebtem Mund und dem Verdursten nah, kamen wir in Halle an. Ich rannte in die Selbstbedienungs-Mitropa und schnappte mir ein Tablett mit Brausegläsern. Innerhalb von zwei Minuten tranken wir jeder vier Gläser! Dann mussten Kurt und Werner los zu ihrem Zug. Ich hatte noch Zeit für einen Eulenspiegel!