Schwimmlager in der DDR – klingt schrecklich, nicht wahr? Der Name war, aus heutiger Sicht, recht unglücklich gewählt, denn mit einem Lager hatte das absolut nichts zu tun. Das Anliegen war positiv: Wir sollten, mehr oder weniger freiwillig, schwimmen lernen.
Da wir kein Hallenbad hatten, blieb uns nur das Landsberger Felsenbad. Die ersten zwei Wochen in den Sommerferien waren dafür vorgesehen. Teilnehmen mussten alle, außer man hatte bereits die 3. Schwimmstufe – ein guter Anreiz, sich zu beeilen!
Andys Buch mit mehr Erinnerungen und Geschichten. Vielleicht ein tolles Weihnachtsgeschenk für Liebhaber der Ostalgie. „So schön war meine DDR“

Alltag und Freiheit im Landsberger Felsenbad
Mit Lager hatte das, wie gesagt, nichts zu tun. Wir fuhren jeden Morgen mit dem Fahrrad ins Bad. Dort konnten wir uns frei bewegen, wenn unsere Gruppe nicht gerade mit einer Übung wie Trockenschwimmen oder Schwimmen mit dem Brett dran war.
Wir mussten zeigen, was wir konnten. Das Wasser im Kinderbecken war nicht mal einen Meter tief, trotzdem gingen wir schnell unter. Das kalte Wasser im Landsberger Felsenbad roch stark nach Chlor.
Die restliche Zeit stromerten wir herum, spielten Fußball, oder kauften uns was Leckeres am Kiosk. Gegen 13:00 Uhr waren wir wieder zu Hause – rechtzeitig zum Ferienprogramm im Fernsehen: Indianerfilm mit Gojko Mitic, Trickfilm oder Märchenfilm.
Auszug: Mein erstes Schwimmlager – Kiosk-Glück und kalter Schock
Auszug aus meinem Buch: Montag früh um 8 Uhr ging es los. Fünf Kilometer fuhren wir mit dem Fahrrad übers Land. Am Bad angekommen, wurden die Räder angeschlossen, und es ging in die Umkleidekabine. Nach dem Aufwärmen (Hampelmann und Liegestütze) war Trockenschwimmen angesagt. Wie albern!
Ich folgte den Größeren und lernte das Beste kennen: den Kiosk. Dort gab es Würstchen, Fischbrötchen und die rote Fassbrause. Die Fassbrause schmeckte allemal besser als der Pfefferminztee von Mutti. Ein Fischbrötchen und eine Fassbrause für 40 Pfennig – da war das Schwimmlager doch ein Spaß!
Doch dann mussten wir ins kalte Wasser. Ich konnte gar nicht so schnell zittern, wie ich fror. Der dicke Schwimmmeister blieb an Land, aber wir mussten in die milchig-grünliche, übel riechende Brühe.
Der Durchbruch: Vom Schwimmgürtel zur Schwimmstufe
Am nächsten Morgen bekam ich einen Schwimmgürtel umgeschnallt. Ich war zu klein und zu leicht und trieb hilflos mit dem Popo nach oben. Ich hatte Angst, merkte aber, ich gehe ja gar nicht unter! Kurz nachgedacht, und schon ging es im Stil unseres Schäferhundes in Richtung Beckenrand.
Der dicke Schwimmmeister schimpfte, ich solle es wie in den Trockenübungen machen. Ging ja gar nicht! Aber nach ein paar Tagen Übung mit dem Schwimmbrett und dann ohne, schaffte ich am Ende der zwei Wochen schon ein paar Meter richtig zu schwimmen. Ich war so stolz.
Die Schwimmprüfungen waren immer am letzten Tag. Ich schaffte meine 1. Stufe in der dritten, die 2. Stufe in der fünften und die dritte Stufe in der sechsten Klasse. Danach gab es nur noch den Fahrtenschwimmer.
Geschrieben von Andreas
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Habe ich miterlebt. Wieviel hat das eigentlich gekostet? Für 2 Wochen pro Tag 1,- Mark? Kann das sein?
Bei uns in Landsberg (Saalkreis) hat das nichts gekostet. War auch nicht verpflichtend dran teilzunehmen. LG Andreas Schmidt