DDR Schwimmlager

Schwimmlager in der DDR

Klingt schrecklich – nicht wahr?

Der Name war, aus heutiger Sicht, recht unglücklich gewählt. Das hatte mit einem Lager absolut nichts zu tun und das Anliegen war recht positiv. Wir sollten, mehr oder weniger freiwillig, schwimmen lernen.

Da wir kein Hallenbad in der Nähe hatten, blieb uns zum schwimmen lernen nur das
Landsberger Felsenbad. Die ersten 2 Wochen in den Sommerferien waren dafür vorgesehen. Teilnehmen mussten alle. Außer die, die im Urlaub oder Ferienlager oder krank waren. Auch der Besitz der 3. Schwimmstufe befreite von der Teilnahme.

Schwimmen lernen wollte jeder, denn dann liesen einen die Eltern allein zum baden fahren. Und man beeilte sich die 3. Stufe recht schnell zu schaffen, um nicht mehr daran teilnehmen zu müssen.

Mit Lager hatte das wie gesagt absolut nichts zu tun. Wir fuhren jeden Morgen mit dem Fahrrad ins Bad. Dort konnten wir uns frei bewegen, wenn unsere Gruppe nicht gerade mit einer Übung wie Trockenschwimmen oder schwimmen mit dem Schwimmbrett dran war.

Gleich am Anfang mussten wir zeigen was wir konnten und alle schwammen wir wie
eine bleierne Ente auf dem Grund. Das heißt: alle gingen recht schnell unter. Das war aber kein Problem, denn das Wasser im Kinderbecken war nicht mal einen Meter tief. Im Wasser spielten wir sowieso sehr gerne. Nur war das Wasser in unserem Dorfteich viel wärmer als im Landsberger Felsenbad.

Dort war das Wasser sehr kalt und roch nach Chlor. Deshalb mussten wir uns, wenn wir aus dem Wasser kamen, immer gründlich abbrausen. Die restliche Zeit stromerten wir im Bad rum, kauften uns was Leckeres am Kiosk, spielten Fußball, fangen oder lasen ein Buch.

Etwa 13.00 Uhr waren wieder zu Hause. Rechtzeitig zum Ferienprogramm im Fernsehen. Was freuten wir uns auf einen Indianerfilm mit Gojko Mitic, einen Trickfilm oder einen Märchenfilm. Danach trafen wir uns auf dem Sportplatz oder am Teich zum spielen.

Wir fuhren jeden Tag ins Bad – außer wenn es morgens schon in Strömen regnete.
Wenn es mal kühler war, mussten wir uns nach den Schwimmübungen anziehen.
Ich glaube niemand empfand Schwimmlager als schlimme Sache. Es war eben so und
da mussten alle durch.

Schon als Kinder haben wir das Beste daraus gemacht. Irgendeinen Spaß hatten wir immer. Am letzten Tag waren immer die Schwimmprüfungen. Ich schaffte meine 1. Stufe in der dritten, meine 2. Stufe in der fünften und die dritte Stufe schaffte ich in der sechsten Klasse.

Danach gab es nur noch den Fahrtenschwimmer. Da war aber die Teilnahme freiwillig.

So, und nun wieder ein Auszug aus meinem Buch: mein erstes Schwimmlager.
Montag früh um 8 Uhr ging es los. Mit dem Fahrrad fuhren wir fünf Kilometer
übers Land bis ins Freibad. Die Kleinen vorweg und die Großen hinterher. Und ganz hinten fuhr die furchteinflößende Hortnerin.

Am Bad angekommen wurden erstmal die Fahrräder angeschlossen, die Luftpumpen und das Werkzeug abgebaut, damit das keiner klauen konnte. Nun ging es in die
Umkleidekabine. In Badehose wurden wir jetzt zur Liegewiese gebracht und in
Gruppen aufgeteilt. Erst mussten wir uns aufwärmen.

Das hieß Liegestütze, Kniebeugen und den Hampelmann machen. Danach war Trockenschwimmen angesagt. Wie albern…
Das war noch doofer als turnen. Das ist nur was für Mädchen. Richtige Jungen
spielen Fußball oder raufen.

Ins Wasser? Fehlanzeige. Doch wir durften uns frei bewegen. Ich folgte den Größeren. Und so lernte ich das Beste im Freibad kennen…den Kiosk. Dort gab es Würstchen, Fischbrötchen und, das war das Allerbeste, rote Fassbrause.

Da ich zum Frühstück meine zwei Doppelschnitten schon aufgegessen hatte, war für
mich der Kiosk die Oase in der Wüste. Und die rote Fassbrause schmeckte allemal besser, als der kalte Pfefferminztee, den meine Mutti mir mitgegeben hatte.
Ein Fischbrötchen und eine Fassbrause kosteten 40 Pfennig. Das konnte ich mir
leisten. 50 Pfennig hatte ich ja mit.

Schwimmlager machte doch Spaß. Nach einer kleinen Ruhepause durften wir endlich ins Wasser. War das kalt. Ich konnte gar nicht so schnell zittern, wie ich fror.

Jetzt sollten wir die gleichen Trockenübungen machen wie an Land. Der dicke Schwimmmeister kam nicht mit ins Wasser. Das war ihm wohl zu kalt. Aber wir mussten rein. Zum Schluss sollten wir auch noch in dieser milchig grünlichen und übel riechenden Brühe untertauchen.

Nun aber raus aus dem Wasser, abbrausen und in die Sonne gelegt. Damit war der
erste Tag geschafft und wir radelten nach Hause. Natürlich in der Gruppe.
Am nächsten Morgen bekam ich einen Schwimmgürtel umgeschnallt. Allerdings war
ich zu klein und zu leicht für das Ding. So trieb ich hilflos, mit dem Popo nach oben im Kinderbecken und versuchte mit aller Kraft meinen Kopf über Wasser zu halten.

Ich hätte weinen können und hatte Angst. Nach einer Weile merkte ich, ich gehe ja gar nicht unter. Ein kurzes Nachdenken und schon ging es im Stile unseres Schäferhundes in Richtung Beckenrand. Das war ja einfach. Aber der dicke Schwimmmeister hat geschimpft. Ich solle das so machen, wie in den albernen Trockenübungen. Ging ja gar nicht.

Ich konnte ja nicht stehen und laufend habe ich Wasser geschluckt. Das war einfach nur
blöd. Kurzum, nach ein paar Tagen üben mit dem Schwimmbrett und dann ohne, konnte ich am Ende der zwei Wochen schon ein paar Meter richtig schwimmen. Ich war so stolz.

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