Die Mütterberatung in der DDR war für jede Familie mit Kleinkindern ein zentrales und verpflichtendes Ritual.
Vier Wochen nach der Entbindung kam eine Mitarbeiterin vom Jugendamt ins Haus, um sich einen Eindruck von der Wohnung, der Versorgung des Kindes und der Babyausstattung zu verschaffen.
Danach war die DDR-Mütterberatung der zentrale Anlaufpunkt für alle Fragen. Ich fühlte mich dort gut aufgehoben und betreut.
Gemeinschaft und fachliche Unterstützung in der Mütterberatung
Alle vier Wochen gingen wir Mütter zur Mütterberatung. Und das war eine wirklich schöne Zeit! Man traf sich dort regelmäßig, die Mütter unterhielten sich untereinander und es entstanden oft enge Freundschaften. Es war eine wichtige Gemeinschaft und ein Austausch, der uns allen half.

Vor Ort wurden die Babys gewogen, begutachtet, es gab wertvolle Tipps und alle Fragen wurden beantwortet. Die Besuche waren kostenlos und wurden durch den Staat intensiv gefördert.
Ich erinnere mich zum Beispiel, als ich das Gefühl hatte, mein Sohn würde nicht richtig satt. Meine Oma riet mir, ein wenig Grieß in die Flaschenmilch zu geben und das Loch im Sauger zu vergrößern. Das Ergebnis: Mein Junge nahm zu viel zu!
Die Schwester in der Mütterberatung korrigierte das sofort: „Das ist nicht gut, lassen Sie den Grieß bitte weg und geben Sie noch etwas Tee nach dem Fläschchen.“ Gesagt, getan. Der Kleine hatte bei der nächsten Beratung fast wieder sein Normalgewicht. Man sah: Omas Tipps waren nicht immer die besten, und die fachliche Beratung war Gold wert.
Zudem bekam man oft ein Rezept für Frauenhygiene oder Babyhygiene (wie Öle oder Hautpflege), denn diese Artikel waren zu dieser Zeit oft Mangelware.
Die Gratwanderung: Unterstützung und Kontrolle
Die DDR Mütterberatung war jedoch immer ein zweischneidiges Schwert:
- Unterstützung: Viele Mütter schätzten die professionelle Hilfe und die soziale Anlaufstelle, insbesondere junge Mütter in ländlichen Regionen oder ohne familiäre Unterstützung. Die Beratungen trugen nachweislich zur hohen Kindergesundheit im Land bei.
- Kontrolle: Gleichzeitig waren die Besuche eine Form der staatlichen Kontrolle. Die Mitarbeiterinnen der Beratung hatten die Befugnis, bei Vernachlässigung oder auffälligen Zuständen das Jugendamt (genannt: „Abteilung Jugendhilfe und Fürsorge“) einzuschalten. Es war eine ständige Erinnerung daran, dass der Staat ein Mitspracherecht bei der Erziehung hatte.
Trotz der strengen Richtlinien bleibt die DDR Mütterberatung vielen als eine wichtige, wenn auch ambivalente, Institution der sozialistischen Fürsorge in Erinnerung.

Babyernährung in der DDR: Selbstgemacht statt Fertigbrei
Fertigbrei für Babys gab es zwar, aber man musste Glück haben, welchen zu ergattern. Säfte für Babys, so wie sie heute im Handel sind, waren damals sehr rar. Also wurde selbst gekocht und Saft selbst hergestellt!
Wir bauten im Garten Möhren an und nutzten Äpfel vom eigenen Baum oder aus dem Gemüseladen. Das Obst und Gemüse wurde geraspelt und der Saft mit einem abgekochten Tuch ausgedrückt. Die gewonnenen Säfte gab man dann in die Milch oder später zum Brei.
Was die Breiküche betraf, war Kreativität gefragt:
- Kartöffelchen mit etwas Butter und Möhrchen
- Nudeln mit etwas Tomatenmark und Wasser angerührt (sparsam gewürzt!)
- Grießbrei mit einem eingerührten Ei
- Milchreis
- Kochfisch mit Reis oder Kartoffeln und einer Dillsauce (mein Vater war Angler!)

Die Kleinen waren selten mäkelig und wurden mit dem, was da war, bestens versorgt.
Windeln kochen – Umweltschutz à la DDR
Was das Windeln betraf, wären die GRÜNEN heute stolz auf uns! Wir nutzten ausschließlich Stoffwindeln.
Unsere Babys bekamen als erstes eine Baumwollwindel, zum Dreieck gefaltet, unter den Po. Diese wurde zwischen den Beinchen hochgeklappt, die langen Seiten vorne drüber gelegt. Darauf kam ein weiteres quadratisches, doppelt gefaltetes Tuch. Abgeschlossen wurde das Paket mit der Gummihose (mit Druckknöpfen) oder einem gummierten Wickeltuch.
Die schmutzigen Windeln wurden im Waschhaus gesäubert: Die „Wurst“ wurde entfernt und die Windeln im Windeltopf gekocht. Anschließend trockneten sie sauber und frisch im Hof auf der Leine. Ein echter Kreislauf!


Ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück. Trotz der Mangelwirtschaft war die Betreuung der Mütter exzellent, und die Gemeinschaft war unschlagbar. Es war eine besondere Zeit.
Wer kennt denn auch noch die Mütterberatung von Euch?
Geschrieben von Annett – Wenn Euch der Beitrag gefällt, lasst doch unten ein „Gefällt mir“ da. Danke
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