Der Betriebsalltag in der DDR war hart, aber oft durch einen sehr rauen, humorvollen Umgang unter den Kollegen geprägt. Ein großes Thema war dabei oft der Alkohol. Mein Vater arbeitete in den Press- und Stanzwerken, und wenn er früh zur Nachtschicht-Ablösung kam, war es draußen noch stockdunkel. Die Schichtübergabe war oft der Beginn eines legendären Streiches unter Kollegen.
Selbstgebrannter Schnaps, Nachtschicht und der schlafende Herbert
Einer seiner Kollegen, Herbert Döbert, war vom selbst gebrannten Schnaps während der Nachtschicht noch sichtlich gezeichnet. Als bekannter, schwerer Trinker war sein Zustand keine Seltenheit. Die Müdigkeit hatte ihn eingeholt, und er schlief zwischen zwei Werkzeugregalen.
Mein Vater und die anderen Kollegen kochten erstmal Kaffee. Doch dann kam ihnen die Idee für den Streich.
Der Streich: „Hilfe, ich bin blind!“
Die Maschinen liefen zwar alle weiter, aber die Kollegen machten überall das Licht aus, auch in der riesigen Werkshalle. Es war stockdunkel.
Dann riefen die Kollegen laut: „Heeeeerbeeeert, Kaaaafeeee ist fertig!“
Herbert wachte erschrocken auf, schreckte hoch in die totale Dunkelheit und schrie panisch: „Hilfe, ich bin blind, ich bin blind, Hilfe!“
Der Jubel der Kollegen war groß. Diese Art von DDR-Humor war typisch für den rauen Charme und die enge Gemeinschaft in den Betrieben.

Geschrieben von Annett