Dauerbrandofen in der DDR: Die Geschichte vom Heizen mit Kohlen und Ofenromantik

Wer die DDR-Zeit erlebt hat, weiß: Im kalten Winter war frühes Aufstehen mit harter Arbeit und Wartezeit verbunden, um das Haus warm zu bekommen. Der Dauerbrandofen war das Zentrum dieser Bemühungen, aber auch ein Ort der Gemütlichkeit. In unserer Wohnung stand ein solcher Ofen im Wohnzimmer und eine kleinere Kochmaschine in der Küche. Diese Zeit des Heizens mit Brikett-Kohle und der unverwechselbare Geruch sind bis heute tiefe Kindheitserinnerungen.

Der Dauerbrandofen mit Glasfenster: Opa Ottos gemütliche Stube

Meine Oma, die im zweiten Stock wohnte, hatte ein besonderes Modell: einen Dauerbrandofen mit einem Glasfenster in der Ofentür. Das war die Definition von Gemütlichkeit, denn man konnte das Feuer flackern sehen! Allerdings verrußte das Glas schnell. Hier kam Opa Otto ins Spiel, der die kleinen, nebeneinander gesteckten Scheiben immer sorgfältig reinigte.

Ich lag oft abends auf dem Teppich davor, las oder malte – es sei denn, unser Hund hatte den besten Platz zur Bauchwärmung schon besetzt. Wenn ich aus der Schule kam und der Ofen kalt war, war das eine kleine Katastrophe. Wartezeit war angesagt: Vatis erste Amtshandlung um 15:00 Uhr war dann das Anschmeißen des Ofens, Kohle durch die obere Luke nachlegen und die Glut wiederbeleben.

Kochmaschinen, Kachelöfen und Bratäpfel

Neben dem Dauerbrandofen gab es andere Wärme-Zentren. In der Küche stand ein beigefarbener Kachelofen mit einer Warmhalte-Luke, wo man einen kleinen Topf oder Teller hineinstellen konnte. Das roch vor allem dann wunderbar, wenn Oma Uschi im Herbst oder Winter Bratäpfel darin zubereitete.

Wenn ein ganzes Essen warm gehalten werden musste, musste man kreativ werden: Oma schlug die Töpfe in Handtücher ein und verstaute sie unter der Bettdecke im Schlafzimmer – die beste Isolierung, die es gab!

Die Knochenarbeit der Kohlelieferung

Bevor das Feuer knistern konnte, musste die Brikett-Kohle in den Keller. Wenn eine Lieferung kam, lag ein riesiger Haufen am Straßenrand. Die Kohlen mussten per Hand mit Schaufel und Knackgabel durchs Kellerfenster in den Kohlenkeller geschafft werden. Manche bauten eine Rutsche, um die Arbeit zu erleichtern – aber es blieb immer ein Akt der Schwerstarbeit.

Zum ersten Anzünden nutzten wir Zeitungspapier, Holzscheite und Bohnerwachs als Anzünder. Hier war Vorsicht geboten: Wer zu viele Briketts auf einmal auflegte, erstickte das Feuer, und es qualmte nur noch.

Federdecke und Eisblumen: Zu Besuch in Raguhn

Auch in meinem Kinderzimmer unterm Dach stand ein Dauerbrandofen, den sich Frührentner Opa Otto zur Aufgabe gemacht hatte. Ich half nur manchmal beim Kohlen schippen.

Meine andere Oma, Oma Irmgard in Raguhn, und Opa Hans (der Eisenbahner) standen schon um 5:00 Uhr auf, um die große Kochmaschine in der Küche anzuheizen. Im Wohnzimmer hatten sie einen großen Kachelofen.

Als Kind im Winter dort zu Besuch, schlief ich im ungeheizten Besucherzimmer, wo über Nacht Eisblumen am Fenster wuchsen. Um die Kälte zu besiegen, wärmte Oma die Federdecke auf dem Kachelofen vor und steckte eine Metall-Wärmflasche in Handtücher gewickelt ans Fußende. In warmen Socken und mit der Decke bis zur Nase war die Nacht gut zu überstehen – mit dem blassen Licht der Straßenlaterne als Nachtlicht. Die Nähe zum Bahnhof, wo Opa Hans gearbeitet hatte, und die vorbeifahrenden Züge machten die Nostalgie perfekt.

Kurz vor der Wende, als ich schwanger war, baute Vati die zentrale Forsterheizung ein, aber der Dauerbrandofen blieb noch lange als Denkmal der Gemütlichkeit stehen.

Geschrieben von Annett

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