Feiern in der DDR Teil 1: Die schönsten Grillabende und Sommerpartys

Ja, es gibt unzählige Bücher über die schlimmen Seiten des DDR-Regimes – über Bespitzelung, Drangsalierung und die verlorene Freiheit. Das ist eine wichtige historische Wahrheit. Doch der Großteil der Bevölkerung lebte seinen Alltag und arrangierte sich mit den Gegebenheiten. Das Leben war durchaus nicht unglücklich! Und eines konnten wir besonders gut: Feiern in der DDR!

Gemeinsam kochen und feiern: Der DDR-Partyservice

Egal ob Geburtstage, Silvester, Treffen mit Freunden oder spontane Sommerpartys im Garten oder Schrebergarten – die Feste wurden zelebriert. Es galt das ungeschriebene Gesetz: Jeder brachte etwas zur Verköstigung mit. Es wurde garniert, eingelegt, gebacken, aufgeschnitten und gekocht.

Für die legendären Grillabende wurde das Fleisch selber eingelegt, Klöpschen geformt und Rostbrätel vorbereitet. Die Salate waren Klassiker: Nudelsalat, Kartoffelsalat oder Schichtsalat. Der Duft von duftenden Steaks und goldbraunen Röstern war einfach unschlagbar.

Die Angel-Story und Wettessen mit Peperoni

Bei den Partys waren die Anekdoten das Salz in der Suppe. Mein Vater und seine Kumpels, zu denen auch Ungarn-Wolfgang gehörte, sorgten immer für den besten Spaß. Wolfgang, der immer zwei bis drei Peperoni in der Hosentasche hatte, aß so scharf, dass er normal Gewürztes kaum noch schmeckte.

Die Männer lieferten sich Wettessen mit scharfer Apfelpaprika, bei denen Vati die Schweißperlen auf der Stirn standen. Doch die Geschichte, die immer wieder für Schenkelklopfen sorgte, war die Angel-Story mit Mittelstädt Willi. Beim Angeln mit meinem Vater und weiteren Kameraden musste Willi (er hieß mit Nachnamen Mittelstädt) mal ein großes Geschäft verrichten. Er verschwand hinter einem Busch und verhielt sich still.

Doch den anderen stach der Hafer…Sie rupften mit einem Handtuch, welches man beim Angeln immer dabei hatte, Brennnesseln und knibberten diese an eine der Angeln. Vorsichtig schlichen die Kerle sich von hinten an Willi heran.

Wie beim Posen-Zielwerfen fingen sie an die Schnur mit den Brennnesseln dran zu schwenken (pendeln), bis der Brennstoff an Willis Gemächt landete. Erst bekam er es gar nicht so mit. Er dachte wohl, es wäre irgendein Insekt oder Käfer, die ja reichlich rumflogen und krabbelten.

Der Effekt, den die Übeltäter erreichen wollten, trat auch nicht sofort ein. Also noch 2 mal wiederholt. Jetzt wurde Willi stutzig und drehte sich um. Gleichzeitig verspürte er ein aufkommendes Kribbeln zwischen seinen Beinen.

Mit herunter gelassenen Hosen und schimpfenden polnischem Dialekt, rannte er auf die lachenden Gauner zu. Ja, ja, dachte ich…und für unsere Streiche werden wir ausgeschimpft.

Willi hibbelte eine ganze Weile auf seinem Angelhocker hin und her, bis das Brennen endlich nachließ. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Tanzen, Tapsigkeit und der harte Kern

Sobald der erste Likörchen oder Wein geflossen war, verloren die Erwachsenen ihre Hemmschwelle. Es wurde zur Musik getanzt und gefilmt. Wir Kinder spielten und beobachteten das „Gehampel und Geschmuse“ – wir kicherten, wenn sich die Männer, bereits angeschwippst und in der Bewegung verlangsamt, mit den Frauen in den Armen lagen. Ich habe die Videoaufnahmen digitalisiert, denn Ungarn Wolfgang besaß natürlich nicht nur einen Ghettoblaster aus dem Westen, sondern auch eine Videokamera.

Und wir lachen heute noch herzhaft darüber!

Als es später wurde, verkrümelten wir Kinder uns nach drinnen. Draußen blieb nur der harte Kern – meist Vati und Ungarn-Wolfgang – die kein Ende fanden, bis Mutti zum dritten Mal rief: „Jetzt ist Schluß – reinkommen!“. Die Frauen übernahmen den Abwasch und wickelten die Reste in Folie ein. Klar: Das übrig gebliebene Fleisch und die Salate gab es am nächsten Tag zum Mittag, denn nach so einer Party schlief Mutti natürlich lange aus!

Geschrieben von Annett – Wenn Euch diese Erinnerung gefällt, lasst mir unten ein „Gefällt mir“ da. Danke

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